ANDREA GARBALD (1877-1958)


Andrea Garbald wurde am 10. Juli 1877 als erstes von drei Kindern des Ehepaar Agostino und Johanna Garbald-Gredig geboren. Er soll ein einzelgängerischer Bub gewesen sein, der am liebsten auf einsamen Wegen durch die Wälder und über die Höhen seiner Heimat streifte.


Als 19-Jähriger trat er ein Praktikum und eine Lehre bei Professor Barbiere am Fotografischen Laboratorium des Eidgenössischen Polytechnikums Zürich (der späteren ETH) an. Anschliessend, 1898, absolvierte er ein kurzes Praktikum bei der Firma Ganz in Zürich.


Doch bald zog es den Bergler wieder hinauf in sein Tal. 1899 eröffnete er ein eigenes Fotostudio und Optikergeschäft in seinem Heimatdorf Castasegna, wo ihm später die jüngere Schwester Margherita (1880–1956), mit der er zeitlebens eng verbunden blieb, zur Hand ging. Sie selbst hatte beim Fotostudio Lang in Chur gelernt und später bei Bernoulli in Basel als Volontärin gearbeitet.


Andrea wirkte als Fotograf für Einzel- und Familienporträts, Gruppenaufnahmen von Vereinen, Chören, Hochzeitsbilder, Schulfotos, cartes de visite sowie Postkartenbilder und Landschaftsaufnahmen im Stil des Pictorialismus.


Nicht nur war er als einziger Fotograf im Tal während Jahrzehnten sozusagen der fotografische Historiograf des Tals und seiner Bevölkerung, er organisierte auch erste Filmvorführungen im Hotel Elevia in Vicosoprano. Daneben handelten die Garbalds mit Brillen und optischen Geräten.


Berühmtheit erlangte sein Bildnis der Familie Giacometti aus dem Jahr 1911, dessen Autorschaft lange unbekannt war, obwohl das Bild durch alle Medien wanderte.


Die Erkenntnis über seinen Autor verdankt sich dem Umstand, dass der Fotograf Hans Danuser, damals zur Miete in der Villa Garbald, Ende der 1980er Jahre auf dem Dachboden des Hauses zufällig auf das Material stiess: 656 Glasnegative, 109 Zelluloidnegative und rund 200 Originalabzüge.


Heute sind diese wertvollen 900 Zeugnisse aus der fotografischen Pionierzeit, im Staatsarchiv Graubünden in Chur verwahrt.


Am 1. November 1958 verstarb der ledig gebliebene und von der Dorfbevölkerung zunehmend als Sonderling und Fantast geschmähte Andrea Garbald in seinem Elternhaus.