Aufgefordert für die schweizerische Monatszeitschrift für Literatur, Kunst und Leben «Helvetia» (1878–1911), wo sie wiederholt publiziert hatte, eine Biografie zu verfassen, notierte Johanna Garbald-Gredig ebenso bescheiden wie lakonisch:
Tatsächlich ist vom Leben der Schriftstellerin wenig bekannt. Sie wurde am 20. März 1840 als Tochter des Zuozer Lehrers Thomas Gredig und seiner Frau Margrith, geb. Florin, geboren. Ihre Muttersprache war also Romanisch, Deutsch lernte sie von ihrem Vater und später in der Bündnerischen Töchterschule Chur.«... wie ich auch die grossen und kleinen Ereignisse meines Lebens zusammenstelle, will es mir nicht gelingen daraus ein Schicksal zu machen, das andere als die Nächsten interessieren könnte. [... man wird] von mir nichts anderes sagen können, als: sie wurde geboren, heiratete und starb.»
Der Serneuser Agostino Garbald, Zollbeamter in Castasegna, lernte sie im September 1860 kennen, als dieser als Soldat in ihrem Elternhaus Quartier nahm. Noch am Tag seiner Entlassung soll er der damals 20-Jährigen einen Heiratsantrag gemacht haben. In der Folge flogen unzählige Briefe zwischen dem Bergell und dem Engadin hin und her, bis dann im Mai 1861 geheiratet wurde.
Diese Verlobungsbriefe, in denen immer Klassiker zitiert werden, verraten einiges über ihre literarischen Vorlieben und ihre Belesenheit. Unter anderen liest sie George Sand, Auerbach, Gotthelf, Keller, C.F. Meyer – und die Gartenlaubenromane der Marlitt. Thematisiert – oft mit schalkhaftem Unterton – wird auch ihre Neigung zum Schreiben.
Ihre eigentliche literarische Tätigkeit scheint jedoch erst um 1880 – interessanterweise zur Zeit der Geburt ihrer drei Kinder – einzusetzen. Unter dem Pseudonym Silvia Andrea veröffentlicht sie ihre drei ersten Erzählungen – in Deutsch, wie auch alle nachfolgenden Werke.
Später begeistert sie sich für Geschichte, was sich in weiteren historischen Novellen und Romanen niederschlägt, unter anderem in der Erzählung «Violanta Prevosti», die zurzeit der Bündner Wirren spielt und 1905 erscheint.
Im 1889 publizierten Roman «Faustine» reflektiert sie ihre eigene Suche nach dem Sinn des Lebens.
Anlässlich der 600-Jahrfeier der Eidgenossenschaft schreibt sie einen Tellen-Roman, angereichert mit etlichen scharfsinnige Frauengestalten, der allerdings durchfällt. Erfolgreicher sind dagegen die «Wanderungen» durchs Bergell und seine Geschichte, wozu Sohn Andrea, ein ausgebildeter Fotograf, die Bilder beisteuert. Noch mit über achtzig publiziert sie im «Bund».
Am 4. März 1935, 26 Jahre nach ihrem Gatten, stirbt sie in Castasegna.
Silvia Andrea, Poetessa – Bündner Kulturforschung – Mitteilungen
Bregaglia, Bergell – Quarto
